DAV Höhlengruppe Frankfurt/Main

Kontakt: Oliver Kube Tel.: 06241/309879, Ralf Camrath Tel.: 06104/63669



Inhaltsverzeichnis

   Aktivitäten 2011
   Forschung 2011
   Videos Loferer Schacht 2010
   Videos Vortour 2010
   Berichte 1996 - 2010
   Temperaturmessung im Loferer Schacht
   Windmessung im Loferer Schacht
   Datenlogger Version 2
   Höhlenpläne, Animationen, VRML-Modelle
   Foto-Galerie
   Höhlengruppe Intern
   Links


Aktivitäten 2011

2011 war das Jahr der Höhle! Mehr geht nicht, es gab kilometerweise Neuland. Alle geplanten Fahrten in den Untergrund wurden durchgeführt, waren unfallfrei, erfolgreich und machen 2012 Lust auf mehr.

Das super trockene und sonnige Frühjahr ließ uns schon nervös auf Ostern schielen. Doch das Wetter hält, und wie! 2 Einsteiger und einige Veteranen bringen Sonnenbaden und Höhlenforschen professionell unter einen Hut. In der Grotte de Vielle Folle hatten wir allerdings ein Schwimmbassin geistig verdrängt. Dank hervorragender mentaler Einstellung hielt uns das winterkalte Eiswasser aber nicht lange auf, der Neo blieb im Auto trocken. Ganz real sorgte dann das erste Abseilen für ordentlich Puls. Die Grotte de Cavotte musste uns wieder ertragen und die Grotte de Saucisses machte Ihrem Namen Ehre. Unsere Ostertouren in den französischen Jura sind ja schon gute Tradition, so ist auch für 2012 das Lieblingsquartier schon reserviert.

Endlich konnten wir über Christi Himmelfahrt wieder an die Pegnitz fahren, die Familientour hat Ihre Anziehungskraft nicht verloren. Zelten, paddeln, chillen, grillen, federballen, Klettersteig und fränkische Kleinhöhlen ergeben ein perfektes langes Wochenende für alle.

Schon laufen die Planungen für Lofer wieder auf Hochtouren. Genehmigung einholen, Inventur aufarbeiten, Ausrüstung planen und einkaufen, Transport mit dem Hubschrauber abstimmen (Danke Marvin), Forscher sortieren, Flugzeiten abstimmen, … . Gut trainiert kommen wir zur Vortour Mitte Juli endlich nach Lofer, unserem langjährigen Forschungsgebiet. Diesmal kann ich unserer treuen Hüttenwirtin Kathi zwei echte Brasilianer vorstellen. Die Beiden forschen sonst am Rande des schwül-heißen Amazonas und sind von den steilen Bergen tief beeindruckt. Kein Wunder, dass die im Kristallcanyon verbliebenen Schnee- u. Eisreste psychologisch unüberwindbare Hindernisse darstellen und die Flucht angetreten wird. Allerdings schneit es inzwischen auch draußen ! Petr, Bernd, Renato und ich räumen also den Kristallcanyon alleine aus (ca. 1km lang, 403m tief), nehmen noch ein paar Restmeter Neuland auf und testen die neue Akku-Bohrmaschine. Wir finden Tony und Mario noch ziemlich aufgeregt in der Hütte vor, welche Sie nach Ihrer Schilderung ohne GPS in Wolken und Schneetreiben wohl nie wiedergefunden hätten. Als Belohnung gibt es Kaiserschmarrn, Buchteln und Kathi heizt die Hütte auf samba-gerechte 30°C auf (oder warn´s die vielen Weizenbiere ?).

Ende August treffen sagenhafte 12 Forscher für den Loferer Schacht zusammen. „GO FOR 10.000m“ ist das Motto der Kampagne. Und es klappt mit der internationalen Gruppe. Wieder gelingen zwei wesentliche Neuentdeckungen, davon im Nordosten um 700m Tiefe ein spektakulärer 68m Schacht mit Potenzial. Nach 5 Tagen ununterbrochener Forschung in der 1°C warmen Großhöhle sind wir sicher die 10km Gesamtlänge deutlich überschritten zu haben. Leider streikt die treue 1PS Benzinbohre an entscheidender Stelle und der Drang an die Sonne zu kommen wird übermächtig. Die Außencamp-Manager kämpften zwar mit gnadenloser Sonneneinstrahlung und hochsommerlicher Hitze, konnten in den Abendstunden aber doch noch den Reifhornwandfuß Schacht, die Reifhorngipfelhöhle und andere Löcher befahren und vermessen. Getreu dem Motto „Ein Mann, eine Bohre“ sind unsere neuen 1kg Akkubohrhämmerchen hier das richtige Werkzeug. Im Geröllfeld wurde Dank kurzer Hose und sensibler Kälterezeptoren in den Waden, der mächtig blasende ORO-Freezer entdeckt. Der verschüttete Eingang wurde in vielen Stunden zum Teil freigelegt, wobei die eiskalte Blasluft die Sache wirklich erschwert. Doch die Baustelle muss warten, denn der Wettergott war vom bunten Treiben unter der Solardusche auf 2200m offenbar erzürnt (nackte Männer) und schickte die bekannten Schneeschauer zur Mäßigung.

Etwas Schreibarbeit beschert uns die Einladung unsere Taten und Forschungsergebnisse in der Festschrift zum 100 jährigen Bestehen des Salzburger Höhlenvereins zu veröffentlichen. Ein wunderbarer Band dieser weltweit geachteten Institution, thront nun mit den jüngsten Erkenntnissen der aktiven Forschergemeinde in unseren Bücherregalen. Was man nicht noch alles tun könnte … .

Anfang Oktober sind wir schon wieder in Lofer vor Ort, die Kreuzhöhle muss länger werden. Mit 150m Seil und 20 Ankern rücken Petr, Renato und ich bis zum offenen Ende bei -200m vor. Wir finden die „Sintersause“, wobei wir die letzten Seilmeter bis auf ca. -280m vor einen windigen 30m Schacht dehnen. Vollkommen glücklich drehen wir um, „wegen Materialmangel“ wie es so schön heißt. Kathi ist sehr zufrieden mit uns, denn die Dauergäste kommen ja sicher wieder !

Zu einem weiteren Höhepunkt des Höhlenjahres hatte ich schon früh eingeladen. Die Traverse de Verneau (Mont-Blanc für Höhlenforscher) nahmen wir Ende Oktober in 4 Tagen in Angriff. Hier kann man unterirdisch einen großen Teil eines mächtigen Höhlensystems durchqueren, ober rein, unten raus, falls man weiß wie ! Und wieder hatten wir Glück, es hat funktioniert.

Nach Auswertung aller Daten haben wir 2011 in Sektionsfahrten 1094 Meter neue Welt dokumentiert, dabei bleibt der Loferer Schacht mit 10.449 Metern das Maß aller Dinge im Loferer Steinberg. Die Weltreisenden berichten von Höhlen auf Island, La Palma, den Azoren und in Ost-Indien.

Text und Fotos: Oliver Kube


Forschung 2011

Gemeinsam mit Zdenek fahren wir, von der Expedition in Montenegro kommend, durch Südeuropa und am Freitag früh, den 28.08.2012 stehen wir endlich mit den anderen im Loferer Hochtal. Danach gehen wir den bekannten Weg zur Schmidt-Zabirow-Hütte und weiter zur Höhle.

Am Tag darauf packen wir das Material für den mehrtägigen Aufenthalt in der Höhle und brechen zum Biwak "Garten für die Harten" auf. Nach ca. siebenstündingem Weg mit Seiltausch und Seilkontrolle, stehen wir endlich in unserem geliebten Biwak. Loia, Berndt und Timo gehen am nächsten Tag zum Biwak ins Waldstadion, Renato, Ricardo und Pedro bilden gemeinsam mit uns das Tiefenteam.

Montags brechen wir zu unserem traditionellen Arbeitsplatz in der Tiefe -750 m, "Sekt oder Selters", auf. Im eiskalten Luftzug zerlegen wir geduldig den Versturz, aber diesmal ist der schlecht funktionierenden Bohrmaschine, was uns am weiteren Vorstoß hindert. Wir kehren zurück und fotografieren Teile des Tiroler Tunnels und Zdenek baut den Schacht fürs Wasserschöpfen um.

Am nächsten Tag knüpfen wir an unsere Ergebnisse der vorigen Jahre an und suchen im oberen Teil des Jackpots nach einem starkem Luftzug, der weitere Forschungsmöglichkeiten zeigt. Nach ca. 5 m Klettern über den schon früher erforschten Schacht P8, läuft der Schacht fließend im einen engen Mäander mit Pisoliten an der Wänden über. Nach der Entfernung der schärfsten Vorsprünge und verklemmter Steine im Mäander stehen wir an der Schwelle eines kolossalen Schachts, der vielleicht nur mit dem Stairway to Heaven vergleichbar ist. Für diesen riesiges Schacht haben wir kein Material mehr. Deshalb gehen Zdenek zum Mechovy Mäander und ich zum Stairway to Heaven, um ein paar Seile abzubauen.

Am Mitwoch begehen wir den "Basileos", die größte Halle in ganzem System des Loferer Schachts, fotografieren und folgen den neu entdeckten Teilen, die im Jackpot beginnen. Wir vermessen den Mäander mit den Pisoliten und nach ca. einer Stunde Arbeit stehen wir am Rande des Schacht, der nach unserem nicht mehr lebenden Kameraden und Höhlenforscher R. Zidlicky benannt wurde. Nach einer Weile rattert unsere Bohrmaschiene in Zdeneks Händen, wir richten den schrägen P 68 ein und vermessen damit den zweittiefsten Schacht im System Loferer Schacht. Wir suchen auf dem Boden nach der weiteren Fortsetzungen, die einzige Möglichkeit finden wir auf dem Boden zwischen den verklemmten Blöcken. Der nächste Vorstoß wäre möglich, es ist aber nötig die ineinander verklemmten Blöcke in der Engstelle zu entfernen..

Donnerstags vermessen wir die Abzweigungen in der Basileos Halle, die Renato und seine Gruppe entdeckt hat. Es handelt sich um aktive mit Wasser durchflossene Räume, schräge oder vertikale, die ca. nach Süden und nach Westen zeigen und in schwer erreichbaren Engstellen enden.

Freitag Vormittag brechen wir zur Oberfläche auf. Hinter Biwak 1 zerfällt mein Brustgurt, was meinen Fortschritt ein bißchen langsam macht, aber am Abend nach fast 120 Stunden in der Höhle trinke ich heißen Tee und beobachte fantastische Wolkengruppen.

Am Samstag packen wir das Material ein und ziehen zur Schmidt-Zabirow-Hütte, verabschieden uns und jeder fährt in eine andere Ecke Europas.

Text und Fotos: Petr Caslavsky

Mit freundlicher Unterstützung der Österreichische Bundesforste AG


Höhlenpläne

Höhlenpläne, Animationen und VRML-Modelle
Loferer Schacht

Länge: 10449 m
Tiefe: -806 m

     

Heinzquetsche

Länge: 1951 m
Tiefe: -333 m

Kristallcanyon

Länge: 996 m
Tiefe: -403 m


Kreuzhöhle

Länge: 993 m
Tiefe: -292 m


Federschacht

Länge: 338 m
Tiefe: -123 m


VRML Viewer


Android-App



 

Längste und tiefste Höhlen in den Loferer Steinbergen

 1. Loferer Schacht

10449 m

 1. Loferer Schacht

-806 m

 2. Ochsenmaulhöhle

5110 m

 2. Schauriger Schacht

-754 m

 3. Heinzquetsche

1951 m

 3. Herbsthöhle

-683 m

 4. Prax-Eishöhle

1040 m

 4. Ochsenmaulhöhle

-450 m

 5. Schauriger Schacht

1035 m

 5. Kristallcanyon

-403 m

 6. Herbsthöhle

1015 m

 6. Gigantenschacht

-345 m

 7. Kristallcanyon

996 m

 7. Heinzquetsche

-333 m


Links

   CaveRender - Höhlenpläne unter Windows
   Einführung in die Höhlenvermessung
   Deutscher Alpenverein Frankfurt/Main
   Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Hessen
   Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.
   Union International de Spéléologie (UIS)
   Landesverband für Höhlenkunde in Salzburg (LVHK)
   Centro de Estudos e Actividades Especiais da Liga para a Protecção da Natureza (LPN-CEAE)
   Österreichische Bundesforste AG
   Alpin Caving News
   Schmidt-Zabierow-Hütte