DAV Höhlengruppe Frankfurt/Main

Kontakt: Oliver Kube Tel.: 06241/309879



Inhaltsverzeichnis

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   Aktivitäten
   Höhlenpläne
   Historische Berichte
   Temperaturmessung im Loferer Schacht
   Windmessung im Loferer Schacht
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Forschung 2018 - ORO-Freezer

Anderswo ist Jahrhundertsommer und anhaltende Dürre, aber es gibt einen verschwiegenen Ort hinter den 7 Bergen ... - und genau da mussten wir hin! Am Sonntag 26. Aug.ust 2018 ging es in die frisch verschneiten Loferer Steinberge. Jaaa, Ihr lest richtig, überall 30°C, aber da oben schneit es auch bei unserer Ankunft. Bernd, Björn, Fred, Marvin, Ute und ich verwandeln den Trockenraum der von-Schmidt-Zabierow Hütte in eine Nasszelle.

Trotzdem ist es den verwegenen Helden gelungen den ORO-Freezer zu öffnen und am Montag durch die Eisröhre bis -83m abzusteigen. Dann kommt die berühmte vertikale Engstelle und knapp 200m sehr direkte Schachtstrecke tiefer, wurde in der Belle Etage das neue Biwak auf, unter und neben den großen Blöcken eröffnet. Dort vier gemütliche Schlafplätze zu entdecken war nicht vollständig von Erfolg gekrönt. Mit dem Höhlenfunksystem CaveLink sicherten wir die Kommunikation zu den Aussendienstlern Ute und Marvin.

Am Dienstag verfolgten Bernd und Björn diesen neuen Gang gut 200m mit Rückenwind nach Norden. Er ist fossil, meist mannshoch, sehr reichlich mit sehenswerten Speläothemen garniert und liegt horizontal. Eine Querkluft erfordert eine luftige Querung, später wurde eine sehr bröselige Versturzzone erreicht und der Vorstoß dort noch immer im Wind abgebrochen. Mit Bernd habe ich den "Pokalsieger 2018" am Mittwoch 190m Neuland bis zum Forschungsende vermessen. Dabei fühlte ich mich schon längere Zeit von einem fossilen Höhlenforscher verfolgt. Und tatsächlich haben wir Ihn mit Blitzlicht geschnappt! Nun sind wir sehr gespannt, ob der quasi unter das Reifhorn zeigende Gang doch wieder mit dem Loferer Schacht in Verbindung steht – der Wind muss ja irgendwo hin.

Mit Fred war ich ebenso am Dienstag, keine 50m weiter ebenfalls nach Norden in einen fossilen Teil über der Halle 16 abgebogen. Dort startet ein trockener Schacht, welcher unten über eine Kluft an einem Sattel Verbindung zu 2 weiteren Schächten hat. Der rechte kürzere Schacht versetzt in eine Kluft gleicher Richtung, welche von einem stark schüttenden Wasserfall garniert wird. Mit 2 schnellen mutigen Schritten ist man da durch, dann geht es mit dem Wasser weiter bis zu einer ca. 5m hohen Schachtstufe (kein Seil mehr dabei) und soweit man sehen kann, vermutlich unten rückwärts wieder zurück in einer tiefere Etage der Kluft.

Vom Sattel führt der linke Schacht ca. 30m trocken abwärts (doch unser Seil war zu kurz), allerdings sieht man unten schon wieder Wasser horizontal abfließen. Das sieht ganz gut begehbar aus. Schade, daß wir da noch nicht landen konnten. Ah, wie soll der Teil heißen ? "Ööhm" war die Antwort. Also 137m neue Meter im Ööhm vermessen.

Während im nahen Biwak schon die Vorbereitungen für das Köcheln getroffen wurden, habe ich noch schnell in Halle 16 in einen erhöht liegenden kleinen Schachtmund geschaut. Nach ca. 10m Abseilen gab ich an einem kleinen Vorsprung einem Kiesel gezielt einen Schubs und weg war er. Zum Zählen brauchte ich die Uhr, Aufschlag nach ca. 9 Sek. + 3 Sek. weiteres Gerumpel + 7 Sek. Nachhall !!! Ab der Blockkante ist es unten nur TIEF SCHWARZ. Senkrecht angezählte Steine fallen frei durch die A-Spalte - wir brauchen sicher ein 200m Seil, am Stück bitte. 2 Anker für einen soliden Startpunkt habe ich gleich gesetzt. „Der Zwölfer“ (9+3 Sek.) wartet nun auf 2019. Adrenalinschübe gibt es dort kostenlos dazu.

Bernd hat mit Björn währenddessen weiter im Hauptgang den nächsten mit Getöse querenden Bach verfolgt. Wie schon 2017 vermutet sind es wohl doch 2 unabhängige Bäche, welche sogar in unterschiedliche Richtungen in Schächten abziehen. Auch da geht es weiter.

Am Mittwochabend wurde vom Biwak-Team schon wieder die Oberfläche erreicht, da schwerer Regen angekündigt war. Doch Sternenhimmel und ein mildwarmes Lüftchen empfing uns samt Marvin. Im Schein der Helmlampen ging es schneefrei schwitzend zur Hütte - dort wie immer großes Schlemmen und Erzählen mit Überraschungsgast Kurt Schmalz. Ja, die Alpen sind klein. Und als wir gegen Mitternacht ins Lager stiegen, goss es Draußen in Strömen. Na also, doch nicht umsonst aus der Höhle gestiegen - ich hatte schon schwere Zweifel.

Durch Ute und Marvin wurden in Hüttennähe die neu entdeckten Höhlen „Großwild 1“ bis zum Ende befahren und „Großwild 2“ entdeckt. Na, und der „Laschenschmeisser“ wurde mal wieder bis zum Ende des 100m Seils eingebaut und am Freitag schnell wieder ausgebaut. Es gibt also noch genug zu tun !

Am Donnerstag folgte die nötige Rekonvaleszenz unterstützt durch Kathi´s brilliante Küche und warmen Kachelofen, Inventur, Aufräumen, … Und am Freitag Heimfahrt noch immer im Regen.

Glück tief, Oliver

Aktivitäten  2018 - Abgrund, Tiefe, Leidenschaft


Ute sitzt konzentriert arbeitend in ihrem Büro als bling-bling eine SMS eingeht : Biwak im Tunnel der Träume auf -680m eingerichtet - Mark und Oli wohlauf – geht weiter bei -720m. Wie bitte ? Aus welcher Parallelwelt kommt das denn ? Ahh-ja dämmert es Ute, die Freunde sind in der Kreuzhöhle erfolgreich unterwegs. Einfach grandios, via Höhlen- und Mobilfunk so aus der Ferne vieles Miterleben zu können ! Die Rückkehr von Speleo-Oli und Team von dort unten an die Oberfläche dauert ja immerhin 2 Tage ! Doch aus dem tiefen Untergrund später mehr.

Bei uns nicht traditionell, aber das Höhlenjahr 2018 startet mit dem Dreikönigstreffen auf dem Dachboden! Naja, Julius, Ulrich und ich bewegen uns im hessischen Herbstlabyrinth in weißen Schutzanzügen und Überschuhen in dem besonders delikaten und fragilen Bereich des sog. Dachbodens. Eigentlich tatsächlich wie die Engel im Himmel - zumeist schwebend. Bei der Entdeckung wurde das Kleinod vermessen. Nun beim zweiten und letzten Besuch, wird es in fotografierender Weise ausgiebig dokumentiert. Beim Rückzug, es geht sehr eng und gewunden durch herausfordernde Passagen, bauen wir aus Gründen des Höhlen- und Naturschutzes die Seile wieder ab und unterbinden damit wie vorher abgemacht den weiteren Zugang.

Ganz anderer Natur ist später eine Befahrung der tiefsten hessischen Höhle (-112m), der Schwinde C, bei Regen und Schneeschmelze im Februar, also bei sattem ablaufendem Hochwasser. Ja, wir wissen was wir da im doppelten Vollneo tun. Der Pegel des Erdbachs, sowie der Wetterbericht samt Strömungsfilmen und Temperaturen, wurden stundengenau passend ermittelt. Ohne penible Vorbereitung geht so etwas überhaupt nicht. Durch die Wasserfälle geht es vorsichtig nach unten. Bald sehen wir, dass der bei normaler Feuchte extra hochwassersicher angelegte Weg, unter einem kräftigen Wasserfall liegt, also bei echtem Bedarf keinen Rettungsweg darstellt. Eine andere Wegführung ist da besser. Phänomenal ist der Lärm, welcher maximal Brüllen zur Verständigung zulässt. Auch spannend ist bei so einer Lage die Beobachtung, wo da überall Wasser hervorschießt und drückt. Bei Trockenheit lassen sich dann dort weitere Passagen erforschen. Doch dass 2018 so ein trockenes Jahr wird, hätten wir uns da unter der kalten Dauerdusche stehend absolut nicht träumen lassen.

Viel Vorbereitungszeit ist auch für den Vortrag im März über die Forschungen in der Kreuzhöhle aufzubringen. Ungewöhnliche Bilder und Filmeinspielungen machen die Sache erlebnisreich. Danke für den gut gefüllten Saal, hat Spaß gemacht mit Euch.

Schon ist Ostern und die tatsächlich traditionelle Ostertour führt ins südliche Frankreich in den Lot (ca. 200km vor Toulouse). Das Frühlingserwachen findet mit 18 Höhlenforschern in zahlreichen tollen, tropfsteingeschmückten Höhlen statt. Fantastisch, zumal man öfter nur über fast 100m tiefe Direktschächte (ab Waldboden senkrecht hinab, Achtung Spaziergänger) an die brillianten Fotomotive kommt. Auch das Bootfahren auf der Celé in der Sonne und auf einigen Höhlenseen im ewigen Dunkel wird sehr genossen. Eine sehr ausgewogene, denkwürdige Tour mit vielen echt netten Leuten und auch etwas Trainingscharakter.

Anfang Juli dürfen 13 Höhlenfreunde endlich wieder nach Lofer zu Kathi, dreieinhalb Stunden auf die von-Schmidt-Zabierow Hütte hinaufschwitzen. Hauptsächlich angereist wegen des köstlichen Kaiserschmarrns, werden nebenbei vor allem viele Höhlenseile, Anker, Karabiner, Bohrmaschinen, 20kg Höhlenfutter, Isomatten, Kocher, etc. , auf den Berg und in die Forschungshöhlen verbracht. Einige Ausrüstung für 3 neue Biwaks ist nötig geworden. Neben verschiedenen bis jetzt kleinen Neuentdeckungen wird die Kreuzhöhle in einer 11h-Tour bis hinter den Block des Pharao bei -200m befahren.

Der Eurospeleo, dem Kongress der wissenschaftlichen Höhlenforschung samt Höhlenforschern, wird im August in Ebensee am Traunsee in Österreich entgegen gefiebert. Mit vielen Freunden und Bekannten fährt man hin, nur um sich bald von noch mehr Freunden und Bekanntschaften aus aller Welt voller Urlaubs- und Forschungsideen wieder verabschieden zu müssen. Nur 6 Wochen Urlaub pro Jahr ist einfach eine Quälerei. Drei lange Exkursionen in nahegelegene Großhöhlen wie die Hirlatzhöhle bei Hallstadt, oder das Schönberghöhlensystem werden genossen. Abends gibt es tolle bildreiche Vorträge um danach in und um die Speleo-Bar das Zusammensein in lauesten Sommernächten zu vertiefen. Am jeweils selben Morgen geht es dann wieder früh los … , das versteht sich von selbst. Julius gewinnt die Goldmedaille bei den Speleo-Olympics – hervorragend!

Nach dieser echt harten Zeit geht es im Anschluß zum Entspannen direkt nach Lofer in unser Sommercamp. Dort oben wartet der Neuschnee auf uns (jaja, im August) und der einstimmige Beschluss lautet „in der Hütte ist es auch schön“ (und es gibt Kaspress-Knödel der Spitzenklasse). Trotzdem rücken wir für 3Tage und 2 Biwaknächte in den eisigen ORO-Freezer ein. Auf -270m unter langen Schächten und hinter separierenden Engstellen haben die Höhlenfossilien Bernd und Oli mit Fred und Björn einigen Spaß beim Entdecken und Vermessen von Neuland. Der neue Gang namens „Pokalsieger 2018“ freut uns Frankfurter natürlich ganz besonders. Und es geht dort noch weiter!

3 Wochen später am 22. September stehen wir schon wieder vor der Hütte auf den Loferer Steinbergen. Die lange Forschungswoche in die Kreuzhöhle steht an. Radu aus Rumänien, Tom, Mark, Marvin und Oli. Alles und alle sind Bestens vorbereit, sogar das Wetter spielt mit. Es schneit erst als wir schon tief in der Kreuzhöhle sind, berichtet uns unser Wettermann Marvin von draußen ! Radu und Tom haben 4 anstrengende Forschungstage ab dem zentralen Biwak in Halle 1 (-380m) vor sich und gelangen nach und nach bis auf ca. -700m über die Westschächte hinab. Mark und ich haben den härtesten Tag mit 8 Schleifsäcken plus zeitweise 50m Seil frei am Arm, durch den Schmelzwasser nassen „Niehammawassa“ hinab in die Halle der Träume. Dort suchen wir einen gemütlichen, leisen Schlafplatz und werden im Tunnel der Träume bei -680m fündig.

Als dann morgens wieder der Kocher brummt und die Höhlenfunkstation installiert ist, geht die berühmte SMS raus, auch an Ute. Über den sog. Guanoschacht seilen wir bis -782m an eine unpassierbare Spalte ab, doch am Ende der Hinkelsteinhalle wartet ein hoffnungsvolles Blasloch in 2019 auf uns. Nach 5 Biwaknächten und 6 Tagen und 3 Stunden non-stop im Berg, sehen wir Abends die Sonne wieder – und später natürlich den Kaiserschmarrn (in voller Größe zum Nachtisch) .

Da kein Monat ohne Höhlenbesuch bleiben kann, startet die große Höhlen, Wein und Käsefahrt Ende Oktober in den französischen Jura – auch schon Tradition. 19 Anmeldungen ergeben dann 17 Personen vor Ort im beliebten und in eingeweihten Kreisen weithin bekannten Amathey-Vesigneux. Dieses Kuhdorf finden wir selbstverständlich auch bei Nacht und ohne Licht. Wegen der inzwischen katastrophalen Dürre, die Flüsse im Karst liegen wahrhaftig trocken da und man weiß nicht wohin mit den unverdünnbaren Abwässern – befahren wir vor allem Wasserhöhlen. An einigen Stellen konnte man aufrecht durch die ehemaligen Siphone marschieren, an anderen Stellen überraschenderweise nicht. Der Megakracher der Woche ist mal wieder die Durchquerung des Verneau-Systems, diesmal jedoch gegen das Wasser von unten bei Nans-sous-St. Anne, über 400 Höhenmeter nach oben, bis man bei Deserviller wieder heraus kommt. 15 Stunden Daueraktion wurden am Ende noch getoppt, als zwar Nachts um Zwei das Auto im kalten Novemberwind vor dem Ausgang stand, jedoch der Autoschlüssel in Carstens Jacke in der Unterkunft schlummerte! Zum Glück konnten wir Marvin als Schlüsselboten aus den Federn klingeln.

Der Jahresendspurt setzt mit „Double Trouble“, ca. 30m vertikales Neuland über dem Erdbach, im Herbstlabyrinth Akzente (nun 12,7 km Ganglänge in HESSEN !). Auch das DAV-Jubiläumsjahr rückt greifbar näher. Zum Höhlenfoto-Summit kommen über 100 fantastische Aufnahmen zusammen. Nach vielen Stunden Diskussion werden diese auf 53 Edelbilder und einen Jubiläums-Höhlen-Wochenkalender eingedampft. Dieser wird gerade noch rechtzeitig zur Weihnachtsfeier aufgelegt und verteilt. 36 Jahre Höhlengruppe und 150 Jahre DAV gilt es zu feiern.

Glück tief, Oliver

Höhlenpläne


Höhlenpläne - Loferer Steinberge, Österreich

Loferer Schacht

Länge: 12126 m
Tiefe: -806 m

1323_042 Loferer Schacht 2016 Plan.pdf

Kreuzhöhle

Länge: 4025 m
Tiefe: -782 m

1323_117 Kreuzhoehle 2018 Plan.pdf

ORO-Freezer

Länge: 1512 m
Tiefe: -475 m

1323_129 ORO-Freezer 2017 Plan.pdf

Kristallcanyon

Länge: 1006 m
Tiefe: -403 m

1323_127 Kristallcanyon 2011 Plan.pdf

Heinzquetsche

Länge: 1951 m
Tiefe: -333 m

1323_087 Heinzquetsche 1989 Plan.pdf

Brunnenschacht

Länge: 359 m
Tiefe: -198 m

1323_134 Brunnenschacht 2016 Plan.pdf

Federschacht

Länge: 338 m
Tiefe: -123 m

1323_111 Federschacht 2003 Plan.pdf

 


Längste und tiefste Höhlen in den Loferer Steinbergen

 1. Loferer Schacht

12162 m

 1. Loferer Schacht

-806 m

 2. Ochsenmaulhöhle

6150 m

 2. Kreuzhöhle

-782 m

 3. Kreuzhöhle 

4025 m

 3. Schauriger Schacht

-754 m

 4. Heinzquetsche

1951 m

 4. Herbsthöhle

-683 m

 5. ORO-Freezer 

1512 m

 5. Ochsenmaulhöhle

-575 m

  6. Prax-Eishöhle

1040 m

 6. ORO-Freezer

-475 m

 7. Schauriger Schacht

1035 m

 7. Kristallcanyon

-403 m

 8. Herbsthöhle

1015 m

 8. Gigantenschacht

-345 m

 9. Kristallcanyon

1006 m

 9. Heinzquetsche

-333 m

10. Gigantenschacht

744 m

10. Großmaul

-300 m


Links

   CaveRenderPro
   Einführung in die Höhlenvermessung
   Deutscher Alpenverein Frankfurt/Main
   Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Hessen
   Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.
   Union International de Spéléologie (UIS)
   Landesverband für Höhlenkunde in Salzburg (LVHK)
   Österreichische Bundesforste AG
   Schmidt-Zabierow-Hütte